
Gestern waren wir mal in einem etwas anderen Teil in Lima. Miraflores ist ja ganz nett und auch ehr europäisch geprägt, ist aber eigentlich nicht das typische Lima. Wir sind mit einem deutschen Guide Allois, einem selbständigen "Entwicklungshelfer", in die Marginalsiedlungen von Lima gefahren.
Wir sind morgens von einem Bus abgeholt worden und dann in den Süden von Lima gefahren. Ich fand, dass es dort schon ziemlich arm aussieht.
Allios hat es uns anders erklärt wie es zu den Zuzügen und Landbesetzungen bzw. der Bildung der Marginalsiedlungen kommt. Er sagte: ,,Ich sehe hier keine Armut. Ich sehe hier Möglichkeiten.´´ Hört sich vielleicht ungewöhnlich an aber je mehr er uns von diesem Teil von Lima gezeigt, desto mehr haben ich verstanden was er meint. Wir waren z.B bei einer Familie im Haus zu Besuch. Der Mann war Handwerk und hat aus alten Metallschrot sehr hochwertige Werkzeuge gefertigt, die er bis nach Cusco oder in andere Orte in der Provinz verkauft. Die Tochter von ihm ist eine sehr begabte Näherin und hat total schöne peruanische Handwerke hergestellt.
Andere Bewohner der jungen Dörfer, wie sie hier genannt werden, besetzen das Land aus Spekulationgrüden. So haben sie relativ wenige Kosten können es aber dann sobald die Infrastruktur in den jungen Dörfern angekommen ist gewinnbringend verkaufen. Hier ist die Situation nämlich so, dass man das Land welches man bebaut nach 5 Jahren unter seinem Name in das Grundbuch eintragen kann. So kommt es auch dazu, dass meistens 30 % der Häuser leer stehen.
Der Busfahrer meinte dann zu uns das in den pueblos jovenes so ca. 80 % der Einwoher Limas wohnen. So kann es z.B vorkommen, dass Einwohner der Oberschicht, durch z.B Spekulation, genau neben Einwohner der Unterschicht wohnen. Es ist schon zu einer Art Bewegung gekommen, dass sobald die eigene Häuser ins Grundbuch eingetragen wurden, man umzieht und neues Land besetzt. Dies geschieht dann nicht in kleinem Rahmen so 100 Familien sondern tausende Familien ziehen dann auf einmal um. Das ganze wird dann zumeist noch vom den örtlichen Politiker gefördet, die durch Wahlversprechen, den Prozess des Grundbucheintrags beschleunigen. Normalerweiß ist dies nämlich ein langwierger Prozess, den man eigentlich gut vorbereiten muss. So lassen die Politker die Anträge einfach so durch gehen.
Also um auf die Armut zurück zukommen. Eigentlich sind die Gebiete nicht wirklich arm sondern sie bieten den Peruaner die Möglichkeit aus ihrer Armut etwas zu machen.
Auch die Entwicklung ist ernorm. Allios schätz aus seinen Erfahrungen, dass monatlich so ca 50.000 bis 100.000 Menschen in die Pueblos jovenes ziehen.
So ist die Baubranche auch eine wichtiger Arbeitgeber in Lima und Umgebung. Es gibt an fast jeder Straßenecke eine Baustelle und man muss schon sehr viel suchen um einen arbeitslosen Bauarbeiter zufinden.
Mittags haben wir dann auch in einem neu erbauten Marktgelände in einem der jungen Dörfer zu Mittag gegessen. Mein erstes Mal, dass ich hier die lokal Spezialität Ceviche gegessen habe. Dabei handelt es sich um rohen Fisch und Meeresfrüchte, welche mit Chili und Limetensaft gegart werden.
Nach dem Mittagessen waren wir noch auf einem der Lokalfriedhöfe von Lima. Die Friedhöfe hier sind unglaublich groß, ich schätze mal das dort mehr als 5 Millionen Gräber sind.
Diese Art von Stadtführung kann ich nur jedem empfehlen. Man entwickelt so einen komplett anderen Blick auf die Realitäten die Vorort herrschen.
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